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Chemiekatastrophen

Atomkatastrophen gehören zweifellos zu den schwersten Katastrophen für Mensch und Umwelt. Wegen der langen Halbwertszeit der radioaktiven Strahlung, leibt sie auch noch mehrere Jahre nach der eigentlichen Katastrophe schädlich. Aber auch Chemieunfälle und Öl-Verschmutzungen können schwere Folgeschäden verursachen.

In den 50er Jahren erkrankten in Japan um die Bucht von Minamata immer mehr Menschen an einer bis dahin unbekannten Krankheit und starben schließlich daran. Auch Fische, Vögle und andere Kleintriere verendeten zu dieser Zeit in Massen. Schließlich fand man heraus, dass die Menschen und Tiere an einer Quecksilbervergiftung starben. Jahrelang hatte die japanische Firma Chisso die Minamata-Bucht mit ungereinigtem Abwasser verseucht.

Auch die USA bekam zu spüren, welche schweren Folgen der sorglose Umgang mit giftigen Chemieabfällen haben kann. Jahrzehnte lang wurde in der Mülldeponie „Love Canal“ als Abladeplatz für Giftmüll genutzt. Ende der 60er Jahre entstand auf dem gleichen Areal dann ein Wohngebiet. Doch schon bald darauf mussten die Bewohner wieder evakuiert werde. Die chemischen Substanzen der ehemaligen Mülldeponie traten wieder an die Oberfläche. Für einige Bewohner kam diese Hilfe jedoch zu spät, sie starben an den Folgen schwerer Vergiftungen durch die Chemikalien.

Mit unmittelbaren Folgen hatte Italien im Jahr 1976 zu kämpfen. Nahe der italienischen Hauptstadt kam es zu einem der bis heute schwersten Chemieunfällen. Nach einer Explosion in der Chemiefabrik Icmesa, zog eine ätzende Dioxin-Wolke durch die Gemeinde Seveso. Das Gasgemisch zählt zu einem der tödlichsten Gifte überhaupt. Schon weniger als ein Milligramm davon kann bereits tödlich sein. In Seveso wurden bei der Explosion vermutlich mehrere Kilogramm freigesetzt.

Ein ähnlich schwerer Chemieunfall verursachte im Rhein 1986 ein massenhaftes Fischsterben. Ursache für all das war ein Großbrand bei dem schweizerischen Chemie-Unternehmen Sandoz. Mit dem Löschwasser der Feuerwehr flossen zugleich etwa 30 bis 40 Tonnen Chemikalien in den Rhein. Nahezu alle Aale, auch Äschen, Zander und Hechte waren stark betroffen. Teilweise brach sogar die Trinkwasserversorgung von Rheinanliegern zusammen. Bis in die Niederlande mussten viele Brunnen und Wasserwerke kurzzeitig geschlossen werden.

Die letzte große Chemiekatastrophe ereignete sich erst im Oktober 2010 in Ungarn, es war der bis dahin schwerste Unfall des Landes. In einer Aluminiumfabrik war ein Becken mit Rotschlamm gebrochen. Daraufhin ergossen sich etwa eine Million Kubikmeter des giftigen Schlamms aus Blei und anderer Schwermetallen, über ein Gebiet von rund 40 Quadratkilometern. Schlammproben ergaben, dass insbesondere die Arsenkonzentration etwa das Doppelte der sonst üblichen Konzentrationen in Rotschlamm beträgt. Solche hohen Schadstoffmengen stellen ein langfristiges Risiko für die Ökosysteme und das Trinkwasser dar.

Autor: MBR