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Chronologie der Umweltbewegung

Das Bewusstsein und das Engagement für die Themen Umwelt- und Naturschutz wären heuet wohl nicht so groß, wäre der Hut Ende des 18. Jahrhunderts nicht eines der wichtigsten Modeaccessoires gewesen. Ein bizarrer Zusammenhang, doch so begann die Geschichte der deutschen Ökologiebewegung.

Den Anstoß für die Ökologiebewegung gab eine Frau, ohne zu wissen, was sie damit lostrat. Lina Hähnle gründete am 1. Februar 1899 den überhaupt ersten Verband, der sich für den Schutz der Natur einsetzte: den Bund für Vogelschutz (BfV). Anlass für die Gründung war die damalige Hutmode. Vor allem die Frauen schmückten ihre Hüte mit prächtigen Federn, vorzugsweise von Paradiesvögeln. Diese wurden dafür Massenweise getötet. Für ihr Überleben setzte sich Hähnle ein – mit Erfolg. Sie erwirkte schließlich, dass die Reichsregierung einem Einfuhr- und Abschussverbot der Vögel zustimmte. Ihren Verband gibt es noch heute, allerdings unter anderem Namen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der BfV in Naturschutzbund Deutschland (NABU) umbenannt.

Hutmode gibt Anstoß für den Umweltschutz

Anfang des 19. Jahrhunderts setzten sich, angeregt durch das Hähnles Engagement, immer mehr Menschen für den Schutz der Natur ein. Vor allem aber der Begriff „Heimatschutz“ wurde zu dieser Zeit geprägt. Geprägt von dem Einfluss der romantisch-reaktionären Stimmung jener Jahre gründete der Berliner Musikprofessor Ernst Rudorff im Jahr 1904 den „Bund Heimatschutz“. Der Verband folgte den Ideologien der Romantiker und setzte sich vor allem gegen die fortschreitende Industrialisierung ein. Vor allem das Thema Flurbereinigung und die Zerstörung der Natur durch Fabriken waren die Kernthemen des Verbands. Allerdings lehnten die Mitglieder die aufkeimende Sozialdemokratie ebenso vehement ab.

Denn die ersten Sozialdemokraten des 19. Jahrhunderts organisierten sich parallel dazu in einem eigenen Verband. 1905 gründeten sich „Die Naturfreuden“. Ihr Engagement war zum Teil wesentlich radikaler aber vor allem politisch geprägt. Sie geiselten die kläglichen Bemühungen der preußischen Regierung einen staatlichen Naturschutz zu entwickeln. Im Verbandsblättern druckten Die Naturfreunde immer wieder hetzerische Parolen gegen die „naturverhunzende“ Industrie und riefen zum Nacktbaden und Vegetarismus auf.

Umweltschutz: politisch unkorrekt

Allerdings wurde ihnen diese radikale Einstellung zur Zeit der Machtergreifung Adolf Hitlers zum Verhängnis. Weil sie sich seinen Ideologien nicht unterordnen wollten, nicht gleichgeschalten werden wollten, zerschlugen die Nationalsozialisten ihren Verband. Einige Mitglieder wurden sogar ins Gefängnis oder Schlimmeres verschleppt.

Sein Überleben sicherte sich der Bund für Vogelschutz indem er sich Hitlers Politik unterordnete: er wurde zum Reichsbund für Vogelschutz.

Beides, also die Zerschlagung von andersdenkenden Vereinen oder deren Gleichschaltung, führe letztendlich dazu, dass das Thema Naturschutz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu einem absoluten Tabuthema avancierte. Es galt als politisch nicht korrekt und wurde daher auch vermieden. In der DDR war Naturschutz sogar ein Fall für die Staatssicherheit.

Neuer Aufschwung in den 70ern

Ein neuer Aufschwung bahnte sich für den Naturschutz erst wieder 1963 an, nachdem die Sozial- und Freidemokraten die Bundestagswahlen gewonnen hatten. Am 7. November des gleichen Jahres wurde dann auch das Wort „Umweltschutz“ eingeführt. Der Zoologieprofessor Bernhard Grizmek wird zum ersten Beauftragten für Naturschutz ernannt und wenige Jahre später setzte sich die Regierung erste Ziele für den Umweltschutz. Und Umweltschutz das war nun nicht mehr nur Schutz von Tieren und Natur, sondern auch Proteste gegen Autobahnprojekte und vor allem gegen Atomkraft. 1975 gründete sich dann auch der „Bund für Umwelt und Naturschutz“ (UND).

Den endgültigen Durchbruch schaffte die Ökologiebewegung in den 80er Jahren. Damals wurden Tannen- und Kiefernwälder flächenweise durch sauren Regen zerstört – die Quittung für die jahrelange sorglose Vergiftung der Gewässer durch die Industrie. Plötzlich war der Umweltschutz omnipräsent und die breite Bevölkerung sensibilisiert für dieses Thema. Und es dauerte nicht mehr lange, bis schließlich auch die Politik auf diese Proteste reagierte – schnell und radikal. In einem bis dahin ungesehenen Kraftakt investierte die Regierung mehrere Millionen dafür, Fabriken und Industrieanlagen zu entschwefeln. Außerdem setzte sie durch, dass alle Neuwagen mit Katalysatoren ausgestattet sein müssen.

Umweltschutz macht Politik

Zu dieser Zeit gründen sich auch zwei weitere wichtige Umweltschutz-Vereine: Greenpeace im Jahr 1980 und Robin Wood nur zwei Jahre später. Viel entscheidender für die weitere Ökologiebewegung war jedoch, dass die erste Partei, die sich dem Umweltschutz verschrieben hatte, Einzug in den Bundestag fand. Im Jahr 1983 bekamen die Grünen 5,6 Prozent der Wählerstimmen und ist seitdem Teil des Parlaments. Gegründet hat sich die Partei bereits drei Jahre zuvor als Protestpartei gegen die regierende sozial-liberale Koalition unter Helmut Schmidt. Und seitdem gibt es für die grüne Partei eigentlich nur einen Weg, und der führt nach oben. Bei den letzten Bundestagswahlen 2009 erreichten die Grünen ihr bisher bestes Wahlergebnis: 10,7 Prozent.

Aber auch weltweit begann man sich politisch mit dem Thema Umweltschutz auseinander zusetzen. Die „Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung“ (UNCED) von 1992 in Rio de Janeiro gilt bis heuet als Meilenstein für die Integration von Umwelt- und Entwicklungsziele. Zum ersten Mal fand diese Konferenz bereits 1972 in Stockholm statt, allerdings mit weniger großem Erfolg. 

Weltweites Engagement: UN-Klimakonferenz

Die wegweisendsten Ergebnisse der 92er-UNCED war zweifellos die Agenda 21 sowie eine Klimarahemnkonvention mit dem Ziel, die globale Erwärmung zu stoppen. Der Konvention stimmten 154 UN-Staaten zu und treffen sich nun jährlich auf der UN-Klimakonferenz. Dort soll regelmäßig überprüft werden, inwiefern, die vereinbarten Ziele erreicht wurden und welche neuen Maßnahmen zum Klimaschutz beschlossen werden müssen. Die bekannteste dieser Konferenz fand 1992 im japanischen Kyoto statt. Dort erarbeiteten die UN-Staaten gemeinsam das sogenannte Kyoto-Protokoll, wonach sich die Staaten dazu erklären, ihre Treibhausgase stetig weiter zu verringern.

Auf der UN-Klimakonferenz des vergangenen Jahres einigten sich die Mitgliedsstatten darauf, das Koyoto-Protokoll, das ursprünglich 2012 auslief, bis 2020 zu verlängern. Danach soll ein weltweites Klimaabkommen das Protokoll ablösen. Denn die größten Klimasünder, die USA und China sind dem Kyoto-Protokoll nie beigetreten. Und ohne diese Länder wird auch die Klimapolitik nur mit angezogener Handbremse vorankommen.

Doch aktuell sind die Verhandlungen darüber wieder ins Stocken geraten. Die nächste Klimakonferenz 2013 in Polen, wird für den weltweiten Umwelt- und Klimaschutz also von großer Bedeutung sein. Denn nach aktuellen wissenschaftlichen Prognosen, wir der Zusammenbruch unseres Ökosystems noch für dieses Jahrhundert voraussagt. Wie immer besteht allerdings noch Hoffnung. Dafür ist aber schnelles Handeln gefragt.

Autor: MBR